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Geld

Der Finanzjongleur und Spekulant Aristide Saccard ist nahezu pleite, als der Ingenieur Hamelin eine ambitionierte Idee an ihn heranträgt: Erschließung der Silberminen in Kleinasien, dazu neue Schifffahrtsgesellschaften, Eisenbahnlinien, ein riesiges Infrastrukturprojekt, das sich durch Ausbeutung der Bodenschätze nicht nur selbst finanziert, sondern auch noch unermesslichen Gewinn abwirft.
Saccard ist Feuer und Flamme, allein, es fehlt das Startkapital. Aber wenn einem keine Bank mehr Geld leiht, gründet man eben eine. In einem so genialen wie gewagten Coup wird die Universal-Bank als Start-Up-Unternehmen aus dem Boden gestampft, Aktien werden aufgelegt, Unterstützer bestochen und Bilanzen frisiert, bis die Kurse in die Höhe schießen.
Eine Lebenslüge, die bis heute fortdauert: Geld, so hoffen alle Figuren, ist eine Quelle des Glücks und verbürgt Sicherheit. Doch gerade diese Illusion führt zu Spekulationen und zum Verlust des Vermögens.
„Wäre nicht in manchen Momenten der Atem der Vergangenheit zu spüren, diese Analyse wirkte, als wäre sie gerade erst geschrieben. Zola schrieb seinen Roman 1891 vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der Banque l'Union Générale. Die Bank wurde gegründet, um den Silberabbau im Libanon und die dafür nötige Infrastruktur zu finanzieren. Doch der ursprüngliche Anlass gerät schnell in Vergessenheit, die Bank wird zum Selbstzweck. Ihre Gründer kaufen die eigenen Aktien, um den Preis in die Höhe zu treiben, sie handeln mit Dingen, die es nicht gibt, bezahlen mit Geld, das sie nicht haben, um in einem völlig abstrakten Konstrukt alle Gegner vom Markt zu fegen. Bis sie selbst von dem Sturm, den sie entfachen, weggeblasen werden. Das Entscheidende ist der Umstand, dass in John von Düffels Text die Historie durchscheint, gleichzeitig aber scheinbar der Zusammenbruch der Finanzwelt im vergangenen Jahr gezeigt wird. Das Desaster ist also systemimmanent. Es wird sich immer wiederholen.“ (Süddeutsche Zeitung)
Brillant wie die Handlung sind die Figuren. Saccard ist das Portrait eines mephistophelischen Bankier, eines rücksichtslosen Finanzmenschen, der dennoch auch sympathische Züge trägt. Er verfügt über Phantasie, produktive Einbildungskraft, er kann Leute mitreißen - aber seine Rücksichtslosigkeit überwiegt alle Tugenden.
Es geht nicht darum, ein moralisches Urteil zu fällen, sondern das System begreifbar machen. Der französische Schriftsteller und Journalist Émile Zola (1840-1902) hatte die Finanzskandale seiner Zeit vor Augen, als er den Roman schrieb. „Ich wollte den Blutkreislauf des kapitalistischen Systems darstellen und seiner Pumpstation, der Börse“, erklärte er damals.
Kein Volkwirtschaftsseminar, sondern echtes Drama.


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