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EiferSucht

Regie: Juliane Abt
Ausstattung: N. N.

„Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“. An dieser These Friedrich Schleiermachers orientiert sich die Geschichte der streitbaren Autorin Esther Vilar. „EiferSucht“', 1999 in Düsseldorf uraufgeführt, ist ein Stück über Frauen und Männer, Beziehungsgeflechte, Gefühlschaos.
Erzählt wird eine herrlich doppelbödige Geschichte. Dreh- und Angelpunkt ist Lazlo, erfolgreicher Anwalt, in den Fünfzigern, seit achtzehn Jahren mit Helen verheiratet, was ihn nicht hindert, sich mit der jüngeren Yana einzulassen. Gekonnt spielt Helen auf der Gefühlsklaviatur einer weltgewandten Großstadtemanze. Von kühl-berechnend bis keifend-hysterisch. Sie hat die Liebe und ihre Nebenerscheinungen bereits in vollen Zügen ausgekostet. Jetzt heißt es für sie: Rien ne va plus!
Doch für Yana ist das vermeintliche Glück nur von kurzer Dauer. Lazlo verlässt sie, um bei Iris, einer jungen Studentin, Buddhistin und Vegetarierin, einzuziehen. Die drei Frauen wohnen im selben Hochhaus.
Das Objekt der Begierde - Lazlo, ein triebgesteuerter Mittfünfziger - meldet sich kein einziges Mal zu Wort. Statt dessen reden die Verlassenen. Was heißt reden. Die eigentlichen Hauptakteure sind drei PC’s. Drei moderne selbstbewusste Frauen, verbunden durch Laptops, mittels derer sie sich verbal beharken. Sie schreiben sich Emails, böse, verzweifelte, sarkastische, witzige, emotionale, argumentative, bissige, in jeder Tonart. Die Emails enthalten Forderungen, Komplimente, verzweifelte Bitten, und sogar Morddrohungen. Die Damen bombardieren sich mit Anklagen, tauschen Gemeinheiten, wollen Hilfe von der Rivalin. Kurz: Sie outen sich, jede mit ihren Macken, Wunden, Narben. Es geht um große Gefühle, Liebe und - das noch größere: Eifersucht.
Solche Vorkommnisse kennt man zur Genüge. Aber Esther Vilar erzählt davon so pointiert, mit Witz und hintergründigem Humor, dass man seine helle Freude hat. Keine Nuance im Gefühls- und Handlungsspektrum, keine noch so feine Durchtriebenheit entgeht dem scharfen Auge der ausgebildeten Psychologin und Soziologin. Auf leichte Art werden ebenso einfache wie brutale Wahrheiten gesagt. Das Stück, eine Partitur seelischer Befindlichkeiten, sprüht vor Witz. Sein besonderer Reiz: ein steter, bis ins Absurde reichender Wechsel sarkastischer und bissiger, witziger und urkomischer, emotionaler und nachdenklicher Szenen.
Wenn sich am Ende ein vermeintliches Happy End ankündigt, dann wurde mit allen weiblichen Instanzen um einen Mann gekämpft, der es natürlich gar nicht verdient hat. Der Gute ist bereits jenseits der 50, hat einen Bauch und graue Haare. So kommt es, dass Vilars Stück - soviel darf verraten werden - auch von Frauenfreundschaften erzählt, die es ohne männliches Fehlverhalten gar nicht geben würde. Die betrogene Ehefrau und die betrogene Geliebte: Eifersucht schafft auch Gemeinsamkeiten.


Alle Daten im Überblick
Ort Datum Uhrzeit Status
Bayreuth 22.06.2012 20:00 Uhr Tickets vorhanden
Tickets vorhanden = Tickets vorhanden Tickets nicht vorhanden = Tickets nicht vorhanden
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